Jung, aber nicht so jung, es nicht zu wissen. Schön, aber nicht halb so schön wie ihre Musik. Stark, aber nicht so stark, dass es das Zarte zerbricht. Unbeirrbar und mit Entschiedenheit auf einen bestimmten und gemeinsamen Punkt in der Zukunft zu zielen heisst nicht, die Möglichkeit des Zufalls aus dem Spiel zu lassen. Hübsch und charmant, genauso wie mächtig und kompromisslos, schlingen sich die Songs wie immergrüne Ranken ins Gedächtnis. Sind nicht beide, der Regentropfen und die Motorsäge, Teil des Universums? Dazu entsteht aus einer Trümmerwüste geschredderter Gedanken der elegante Blick auf das bis dahin Freigelegte und darüber hinaus. Was bleibt, ist die immerwährende Passion im farblich geordneten Sortiment der Klänge rechtzeitig den Weg ins Freie zu finden - zurück zum Song.

Das Licht hat einen Namen. Einen kurzen Namen. Cass. Und das ist auch gut so. Denn in ihrem halbkleinen Kosmos, den sie selbst unterhält, versteht es Cass, die Launen eines
jungen Lebens, welches wir alle mal durchleben, wie selbstverständlich zusammenzufügen, so dass man sich nicht nur darin wiederfindet, sondern in das Geschehen involviert wird. Soviel Bewusstsein in so lässigen Songs, ohne dabei mit Reflexionsniveau zu nerven, an Stellen in denen es darum geht, von der Wahrheit eingeholt zu werden, um genau deshalb und genau daraus am Ende das richtige Songfragment zu filtern. Frei nach dem Motto: Gitarre in die Hand und los. Keine Angst vor einem stilistischen Rundflug über die Welt des Pop von heute bis übermorgen.

Cass kann und will sich in ihren Songs nicht gleich festlegen und das tut gut und drängt sich irgendwie als musikalisches Prickeln, wie eine gefühlte Brechung der Mainstream-Ästhetik auf, ohne dabei jedoch den Pfad der Poptugend zu verlassen. neben den vielen akustischen Authentizitätspunkten jedoch ist es die unverwechselbare Stimme von Cass, welche die Songs trägt, von fröhlich bis tragisch, von kantig bis kindlichsüss. Wer ihre Songs hört, kann sich darauf einlassen, die Schubladen im Kopf schliessen und sich den Luxus gönnen, eine eigene Meinung über Stilfragen zu geniessen. So schön und persönlich will Cass uns einladen, unseren Blick zu schärfen, Zusammenhänge zu erkennen, die sie selbst vielleicht noch gar nicht hat.

Cass verarbeitet ihre Empfindungen und Ideen am liebsten sofort zu einem Song, an Ort und Stelle. So kann es auch schon mal vorkommen, dass diese musikalische Spontaneität auf einer Brötchentüte, einem Foto, einem Stück Toilettenpapier oder einer Bananenschale verewigt wird. So ensteht fast täglich mal ein ganzer Song oder mindestens irgendein Fragment dazu. “Was gibt es Schöneres, als an einem unmöglichen Ort zu sein, wenn einem vielleicht gerade durch diesen Ort inspiriert die Einfälle und Gefühle in den Sinn kommen? Warum sollte man erst warten, diese worte und diese Musik aufzuschreiben? So kann ich Stimmungen einfangen und darin aufgehen”. Wenn man meint, dass hier Melancholie und Euphorie dicht beieinander liegen und eine funktionierende Beziehung eingehen, hat man wahrhaftig nichts Falsches gedacht.

Ihre musikalische Lektion hat Cass auch gelernt: Anfänglich als Bassistin zur Gitaristin, von backgroundvocals zur Leadsängerin avanciert, hat sie sich durch einige Bands, Keller, Clubs und Festivals gespielt. Songs schreibt Cass schon seitdem sie 13 ist. Zeitgleich entdeckte sie ihr Herz auch für Schauspiel und Theater und engagiert sich seitdem auch dort. So ist sie zur Zeit an einer renommierten Schauspielschule in Hamburg. Seit 2000 arbeitet Cass mit dem Produzenten René Münzer (Orange Blue, Phil Lovell, Vaile...) von Ear-lab Music Production an ihrem ersten Album, welches nun vorliegt.